05.09.2019

Von der Traube zum Wein - Weinherstellung auf Lanzarote

Der traditionelle Weinanbau auf Lanzarote im Naturschutzgebiet von La Geria ist etwas ganz Besonderes: Die Weinreben werden in Gruben gepflanzt, in Vulkanasche ausgegraben, die seit den Vulkanausbrüchen im 18. Jahrhundert von Timanfaya einen Teil der Inseloberfläche bedeckt. Um die Reben vor dem meist kräftigen Wind zu schützen, werden Halbkreise aus größeren Lavasteinen um die Gruben gebaut. Die Lavaasche speichert sowohl die Nachtfeuchtigkeit als auch den wenigen Niederschlag (durchschnittlich etwa 150 mm pro Jahr), verhindert die Erosion der Böden und beinhaltet viele Mineralien. Zusätzlich beinhaltet dieser Mulcheffekt die Aufrechterhaltung einer stabilen Temperatur im Tonboden, der sich unter der Ascheschicht verbirgt und verhindert die Wasserverdunstung, wodurch der Effekt auch in der unteren Schicht erhalten bleibt.

Obwohl der traditionelle Anbau an die klimatischen Bedingungen angepasst ist, ist die Kultivierung dennoch nicht einfach, sodass viele Farmer den traditionellen Weinanbau aufgeben. Die Besonderheit La Gerias droht zu verschwinden. Hier setzt das gemeinsame Projekt der TUI Care Foundation, Futouris, Senderismo Lanzarote und blueContec GmbH an: Der traditionelle und ökologische Weinanbau wird gefördert, um das kulturelle Erbe La Gerias zu erhalten. Außerdem werden die lokalen Weinproduzenten mit der Hotellerie verknüpft, um neue Absatzwege zu schaffen.

Anhand eines Beispiels möchten wir nun den Prozess der Weinherstellung, von der Weinlese bis hin zur Abfüllung erklären.

Farmer Domingo García besitzt zwei Felder, auf denen er Weintrauben der Sorte Malvasía und Listán Negro ökologisch anbaut, d.h. er verzichtet auf chemischen Behandlungen des Weinbergs und nutzt stattdessen ökologische Behandlungen. Das ganze Jahr über pflegt er seine Weinreben, jätet Unkraut, beugt Krankheiten vor, befruchtet die Erde, befreit den Weinberg von der Asche, die in das Loch fällt und erneuert die Steinmauern. Im Rahmen des Projektes erhalten er und die anderen teilnehmenden Farmer Unterstützung beim ökologischen Anbau durch professionelle Beratungen und Trainings.

Zwischen Ende Juli und Anfang August beginnt die Weinernte auf Lanzarote, la vendimia. Zunächst wird mit der Bodega, an die der Farmer seine Weintrauben liefert, der Ernte- und Lieferzeitpunkt abgesprochen, basierend auf den Ergebnissen der Traubenanalyse, die die Reife bestimmen. Farmer Domingo erhält die Anzahl an Kisten, die für die besprochene Menge an Trauben nötig ist. Nun kann Domingo seine Weintrauben in Handarbeit ernten, gesunde und reife Trauben werden gelesen, faule und essigstichige entfernt. Die gelesenen Trauben werden in Kisten zu einer der am Projekt teilnehmenden Bodegas gebracht, wo sie zunächst gewogen werden. Anschließend wird die Qualität der Trauben bestimmt. Je nach technischen Gegebenheiten der Bodega geschieht dies entweder direkt auf dem Transportband oder über Stichproben in den Kisten. Zusätzlich wird der pH-Wert, der Säure- und Alkoholgehalt, die Menge an Stickstoff sowie Apfelsäure im Labor gemessen und die Farbe der Trauben bestimmt. Je sauberer und gesünder die Trauben, desto höher ist der Preis, den Domingo für seine Trauben erhält.

„Die diesjährige Ernte war eine Überraschung, da die Menge der gesammelten Trauben die Erwartungen übertroffen hat und gleichzeitig die gewünschte Qualität erreicht hat.“ freut sich Ana de León Pérez, Exportmanagerin der Bodega Los Bermejos.

Über die Kisten bzw. das Transportband werden die Trauben in eine Maschine gefüllt, die den Stiel entfernt, sodass die Trauben einzeln liegen. Dabei werden die Trauben bereits leicht gepresst, zur Vorbereitung zur Maischemühle. In dieser werden die Trauben weiter „eingemaischt“, jedoch mit geringem Druck, um die Kerne nicht zu verletzen, sodass am Ende ein Gemisch von Fruchtfleisch, Kernen und Schale (Maische) entsteht. Würden die Kerne ebenfalls gepresst werden, würden sie unerwünschte Bitterstoffe abgeben.

Der frisch gekelterte Most wird anschließend in die gekühltem Gärtanks gepumpt. Beim Rotwein wird die Schale mit dem Most (in einigen Fällen auch die Kerne) in den Gärtank gefüllt. Die Schale bleibt so lange im Tank wie der Winzer festlegt.

Mit Zugabe der Hefen startet der Gärungsprozess, die Hefen bauen den Zucker in Alkohol um. Der Önologe (Weinbaufachmann) bestimmt mit der Art der Hefe den Geschmack des Weines. Auch die Temperatur hat Einfluss auf den Fermentationsprozess. Ist der Most wärmer, geht Fermentationsprozess schneller vonstatten. Der Önologe kontrolliert Gärzeit, die Temperatur und den Geschmack des Weines 24 Stunden am Tag. Da jede Bodega ihre eigenen Geheimnisse bei der Weinherstellung hat, schmecken auch die verschiedenen Lanzarote-Weine nicht gleich, auch wenn die gleichen Trauben verwendet werden.

Ist der Wein fertig, wird er ruhiggestellt und in ein sauberes Fass geleitet, wo die Temperatur, der Säuregehalt etc. weiterhin automatisch 24 Stunden am Tag kontrolliert werden. Von dort wird Wein nach Bedarf in Flaschen gefüllt. Die nach dem Keltern übrig gebliebene festen Bestandteile wie Schale und Kerne, der sogenannte Trester, wird als wertvoller Dünger für die Weinstöcke genutzt und so wieder in den natürlichen Kreislauf gebracht.

Die Zeit von August bis ca. Ende September ist die arbeitsintensivste Zeit für die Winzer. Dafür werden sie mit Wein belohnt, der nicht nur ökologisch und nachhaltig angebaut und produziert wurde, sondern auch ganz hervorragend schmeckt.

Das Projekt

Eine nachhaltige Zukunft für traditionellen Weinanbau in La Geria

Im Fokus dieses Projektes steht die Förderung des ökologischen und traditionellen Weinanbaus, um die natürlichen Ressourcen der Insel Lanzarote und das kulturelle Erbe von La Geria zu bewahren. Gleichzeitig werden die lokalen Weinproduzenten mit der Hotellerie verknüpft, sodass neue Absatzwege für diese hochwertigen Produkte geschaffen werden und der Urlauber die Besonderheiten von Lanzarote "schmecken" kann.

Für Presserückfragen

Inga Meese
Geschäftsführerin Futouris e.V.
Schicklerstraße 5
10179 Berlin
Deutschland
+49 (0) 30 2789 0333