09.04.2021

Khwe fertigen traditionelle Kleidung und Ausrüstung für Cultural Village an

In ihrem gemeinsamen Projekt unterstützen Gebeco und Futouris eine Khwe-Gemeinde im Norden Namibias beim Aufbau ihres eigenen Cultural Villages, welches die Khwe eigenständig leiten sollen, um so langfristig ein stabiles Einkommen zu generieren.

Bereits im Februar 2020 fuhren einige Vertreter der Khwe mit dem Projektpartner Living Culture Foundation Namibia (LCFN) zu einem benachbarten, bereits errichteten Cultural Village, um sich Anregungen für ihr eigenes Programm zu holen.

Mit dem Ausbruch der weltweiten Corona-Pandemie und dem Ausbleiben internationaler Touristen ist auch das Einkommen der Khwe weggebrochen. In den vergangenen Monaten haben Futouris und Gebeco gemeinsam mit dem lokalen Projektpartner ATC die Khwe mit dringend benötigten Lebensmittelspenden unterstützt.

Trotz der herausfordernden Situation arbeiteten die Khwe am Aufbau ihres eigenen Cultural Village weiter. Das Projekt findet großen Anklang, sodass sich viele weitere Mitglieder für die Mitarbeit im Cultural Village interessieren und die Projektgruppe wächst.

Während eines Treffens im Dezember wurde das geplante Programm im Cultural Village weiter besprochen und verfeinert; es wurde bspw. festgelegt, welche Kleidungs- und Ausrüstungsgegenstände die Khwe zur historisch korrekten Arbeit im Cultural Village benötigen. Für Männer sind dies u.a. Bogen, Köcher und Pfeile sowie Messer und Speere. Die Frauen benötigen u.a. Ledertaschen zum Sammeln von Pflanzen sowie Tragetaschen für Säuglinge. Diese Gegenstände wurden nun in einem weiteren Workshop Ende März gemeinsam mit Sebastian von LCFN hergestellt.

Zur Herstellung von Kleidung und Taschen nutzen die Frauen Tierfelle von Springböcken oder Impalas. Um die Felle sowie das von einer Windhoeker Gerberei gespendete halbe Giraffenfell zu weich zu machen, nutzen die Khwe-Frauen die Gerberwurzel „Wild Onion“, die traditionell im Busch gesammelt wird. Die Fellgerbung ist üblicherweise Aufgabe der Männer, da sich diese am Vormittag des Workshoptages aber noch im Busch befanden, übernahmen die Frauen diese Aufgabe. Aus den gegerbten Fellen werden Kleidung, Decken, Babytragetaschen oder Sammelhäute hergestellt.

Außerdem fertigten die Frauen während der beiden Tage Schnüre und Seile, Körbe aus Makalani-Palmfaser sowie Ried-Matten an und bastelten Armbänder aus Papyrus sowie Schmuck aus Straußeneierschalen.

Mit den von Sebastian mitgebrachten Materialien (Schmiedeeisen, Ambosse, Hämmer, Zangen) stellten die Khwe-Männer in einem Schmiede-Workshop Pfeile, Messer- und Speerspitzen her. Aufgrund des einsetzenden Regens wurde die Arbeit unter einer Plane weitergeführt.

Am nächsten Tag schnitzen die Männer Pfeile und fertigten Bögen sowie eine „Springhasenangel“, mit der der in Namibia heimische südafrikanische Springhase gefangen wird.

Bei der abschließenden Besprechung diskutierten die Teilnehmer die weiteren Schritte im Projekt sowie die Weiterentwicklung und Umsetzung der verschiedenen Programme. Unter anderem sollen im Cultural Village traditionelle Tänze der Khwe sowie das Leben im Dorf (Frauen- und Männerarbeit) gezeigt und den Besuchern bei einer Buschwanderung das Spurenlesen von Wild erklärt werden. Die Programme werden dann in einem weiteren Projekttreffen vorbereitet und einstudiert.

 

Leider ist die Eröffnung des Cultural Village stark von der weiteren Entwicklung der weltweiten Pandemie-Lage abhängig. Durch das Ausbleiben von Touristen ist auch das Einkommen der Khwe zurückgegangen und sie sind in ihrer Existenz gefährdet. Leider ist weiterhin unklar, wann Reisen nach Namibia und Besuche bei den Khwe wieder möglich sind.

Um langfristig auch unabhängig vom Tourismus leben zu können, soll mit dem Anbau von Lebensmitteln wie Mais eine weitere Einkommensquelle geschaffen werden, da die Erde im Dorf sehr reichhaltig und daher gut geeignet ist. Leider ist Wasser knapp und es gibt keine funktionierende Wasserversorgung im Dorf. Die Khwe holen Wasser 4-5x täglich aus dem ca. 1km entfernten Kavango Fluss; der Weg dorthin ist jedoch sehr mühsam und das Wasser reicht gerade für den täglichen Bedarf, nicht aber zur Bewässerung von Pflanzen.

Unser Ziel ist es, den 15 Khwe-Familien im Dorf eine ständige Wasserversorgung bieten zu können, sodass sie nicht nur sauberes Trinkwasser haben, sondern auch landwirtschaftlichen Anbau betreiben können. Mithilfe einer Solarpumpe kann Wasser über eine Leitung vom Fluss in einen 5.000 Liter großen Wassertank gepumpt werden.

Zusätzlich sollen die Khwe von Experten im Anbau von landwirtschaftlichen Produkten regionsspezifisch geschult werden, sodass diese optimal an die vorherrschenden klimatischen und Boden-Bedingungen angepasst sind.

Für dieses zusätzliche Projekt freuen wir uns sehr über Spenden: https://www.betterplace.org/de/projects/91548-wasser-ist-leben-wasserversorgung-fuer-15-khwe-familien-in-namibia#

Das Projekt

Khwe Cultural Village – Auf eigenen Füßen

Diese Partnerschaft basiert auf dem im Jahr 2013 initiierten Projekt „Spurenleser“, welches die Erhaltung und Weitergabe des einzigartigen Wissens der Khwe-Gemeinschaft zum Ziel hat. Im Fokus des Folgeprojektes steht die selbstständige Leitung des Projektes durch die Khwe, sodass langfristig ein stabiles Einkommen generiert werden kann.

Für Presserückfragen

Inga Meese
Geschäftsführerin Futouris e.V.
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