11.03.2022

ITB Travel Hero Podcast zu Community-based tourism am Beispiel des Khwe-Projektes

Wie können lokale Gemeinden beim Aufbau resilienter Tourismusprojekte unterstützt werden? Um diese Frage geht es bei der neuen Travel Hero Folge des ITB Podcasts. Zu Gast im Podcast-Studio sind Gebeco Geschäftsführer Thomas Bohlander, Antje Rahn von ATC Namibia und Christian Baumgartner, Professor an der Fachhochschule Graubünden und Geschäftsführer von response & ability gmbh. Kritisch diskutieren sie miteinander, wie die Corona Pandemie sich auf das Projekt ausgewirkt hat, welche Chancen sich ergeben haben und welche Herausforderungen das Projekt immer wieder begleiten.

Zentral dabei ist die Frage, wie das Konzept „Community-based tourism“ als stabile Einkommensquelle der regionalen Bevölkerung zu Gute kommen kann, ohne dabei Abhängigkeiten zu produzieren. „Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts war uns von Anfang an wichtig, da wir niemandem unsere Vorstellungen überstülpen wollen, sondern die Gemeinschaft darin unterstützen wollen, ihre eigenen Ideen umzusetzen“, betont Bohlander. Diese Begleitung erhält das Projekt durch den Wissenschaftsbeirat von Futouris. Die Aufgabe des Rates ist es, die Futouris Mitglieder bei der Projektentwicklung als Berater und Partner, aber auch als Kritiker und Herausforderer zu unterstützen. „Eine hohe Selbstbestimmung bei Projekten wie diesen ist enorm wichtig und auch, dass die Benefits bei den Menschen vor Ort bleiben und möglichst viele aus der Community davon profitieren“, erklärt Baumgartner.

Um dies sicher zustellen, engagiert sich Antje Rahn von ATC Namibia persönlich als örtliche Projektkoordinatorin. „Bei meinen regelmäßigen Besuchen geht es neben dem Erfassen der Projektfortschritte immer auch darum, sich zusammen zusetzen und immer wieder darüber zu sprechen, wie wollt ihr weitermachen? Was sind für euch die
nächsten, wichtigen Schritten? Was wollt ihr jetzt angehen und wie können wir unterstützen“, so Rahn. Alle, die sich für das Projekt engagieren und die positiven
Entwicklungen seit Jahren begleiten, sind sich indes in einem entscheidenden Punkt einig. „Das Projekt hilft der Gemeinde in der jetzigen Zeit ihr Überleben und ihre
kulturelle Identität zu wahren, was es nicht leisten kann, ist das eigentliche Kernproblem zu lösen und das ist die Schwierigkeit rund um das Thema Landrecht und
Wahrung der Rechte lokaler Ethnien insgesamt“, fasst Bohlander die Komplexität der Grundproblematik zusammen. Die Khwe leben traditionell als Nomaden vom Sammeln
und der Jagd. Durch die Erklärung ihres Lebensraums zum Nationalpark und des strikten Jagdverbots durch die Regierung haben sie ihr Land, ihre Lebensgrundlage und Identität verloren. Durch Agrarprojekte, den Aufbau eines Cultural Villages, die Installation einer Wasserversorgung und Hühnerzucht, möchte die Gemeinde ihre Zukunft in den nächsten Monaten auf mehrere sichere Beine stellen. „Unsere gemeinsame Unterstützung hat die Gemeinde für ihre Pläne in finanzieller, konzeptioneller und sachlicher Form ganz sicher“, bestätigt Bohlander.

 

Hier könnt ihr Euch die Podcast-Folge anhören:

Khwe Projekt in Namibia als Beispiel für Community-based tourism
Seit fast 10 Jahren unterstützen Futouris und Gebeco eine Khwe Gemeinde nahe des Bwabwata National Parks im Norden Namibias. Das komplexe Projekt hat das Ziel, die Khwe dabei zu unterstützen, ihre Lebensbedingungen durch Generierung von stabilen Einkünften zu verbessern und gleichzeitig ihr reiches und vielfältiges traditionelles Wissen zu erhalten. Zum einen wurden Mitglieder der Khwe Gemeinde zu „Spurenlesern“ für Touristen ausgebildet. Für die Khwe bedeutet das Projekt, Geld zu verdienen, ihre Tradition zu wahren und diese für jüngere Generationen interessant zu machen.

Mit dem Projekt “Ein Khwe-Elefanten-Projekt – Mit Bienen und Chilis für bessere Lebensbedingungen“ wurden die Khwe im friedlichen Zusammenleben mit den Wildtieren unterstützt. Die Khwe haben in einem Train-the-Trainer-Workshop gelernt, auf natürliche, friedliche Weise Elefanten abzuwehren z.B. durch den Einsatz von Chilis und Bienenstöcken. Ihnen wurden zudem Kenntnisse und Fertigkeiten für einen besseren Schutz der Ackerflächen, Nutzung der Saat und Tipps für eine ertragreichere Ernte vermittelt. Erlerntes Wissen und Elemente des Trainings werden in das bereits bestehende Programm für Besucher integriert – so z.B. in die geführten Buschwanderungen, die u.a. im Rahmen von Gebeco Rundreisen angeboten werden. Mittel- bis langfristig haben die Khwe die Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen zur Steigerung ihres Lebensunterhalts durch das Angebot von selbst gewonnenem Honig oder eigenshergestelltem Chilipulver zu schaffen.

Seit 2019 unterstützen wir die Khwe-Gemeinde beim Aufbau ihres eigenen, gemeindebasierten Schulungs- und Besucherzentrums. Unsere gemeinsamen Ziele für die Zukunft sind die Öffnung der Angebote für Reisende über das Gebeco-Programm hinaus und die langfristige Sicherung einer stabilen Einkommensquelle für die Khwe.

 

 

Das Projekt

Khwe Cultural Village – Auf eigenen Füßen

Diese Partnerschaft basiert auf dem im Jahr 2013 initiierten Projekt „Spurenleser“, welches die Erhaltung und Weitergabe des einzigartigen Wissens der Khwe-Gemeinschaft zum Ziel hat. Im Fokus des Folgeprojektes steht die selbstständige Leitung des Projektes durch die Khwe, sodass langfristig ein stabiles Einkommen generiert werden kann.

Für Presserückfragen

Inga Meese
Geschäftsführerin Futouris e.V.
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