07.02.2020

Bogenherstellung mit den Ju’Hoansi & Töpfern mit den Mbunza: Khwe-Gemeinde erhält Anregungen für eigenes Cultural Village

Ziel des gemeinsamen Projektes von Gebeco und Futouris ist die Errichtung eines sogenannten „Cultural Village“ als zentrales Schulungs- und Begegnungszentrum, welches die Khwe eigenständig leiten und so langfristig ein stabiles Einkommen für ihre Gemeinde generieren können. Unterstützung erhalten die Khwe vom Projektpartner Living Culture Foundation Namibia (LCFN), welche lokale Gemeinschaften dabei unterstützt, die Bewahrung und Weitergabe ihrer traditionellen Kultur mit der Schaffung neuer Einkommensmöglichkeiten im Tourismussektor zu verbinden.

Um den Khwe Ideen und Anregungen für ihr eigenes Cultural Village zu geben, organisierte die LCFN eine Workshop-Tour zu zwei anderen traditionellen Begegnungsstätten im Norden Namibias, welche in den vergangenen Jahren mit Unterstützung der LCFN erfolgreich errichtet wurden. Diese sogenannten „Lebenden Museen“ geben den Besuchern einen detaillierten und authentischen Einblick in die traditionelle, vorkoloniale Kultur.

Ziel dieser Tour war es, den Khwe einen Eindruck zu vermitteln, wie andere Gemeinden die Programme und Aktivitäten in ihren traditionellen Dörfern authentisch gestalten und sie für die kreative Gestaltung ihres eigenen Cultural Village zu motivieren.

Drei Frauen sowie vier Männer der Khwe-Gemeinde besuchten gemeinsam mit dem Projektleiter der LCFN zunächst das Dorf der Ju/’Hoansi nahe Grashoek. Während des dreistündigen „Action Day“-Programms lernten die Teilnehmer das traditionelle Leben der Ju/’Hoansi kennen. Es wurden Bögen und Schnüre aus dem Rosinenbusch sowie Schmuck aus Straußeneierschalen hergestellt und während einer Buschwanderung traditionelle Pflanzen gesammelt, welche die Ju/’Hoansi für Medizin, Schmuck oder Kosmetik verwenden. Einige traditionelle Spiele und eine Heilungszeremonie rundeten das interaktive Programm ab.

In den folgenden beiden Tagen zeigten traditionelle Ju/’Hoansi-Lehrer den Khwe in Workshops, wie Kleidung, Waffen, Werkzeuge und Schmuck mit traditionellen Techniken der Ju/’Hoansi hergestellt werden können. Die Khwe-Frauen fertigten bspw. Schmuckstücke aus Straußeneierschalen, Samen und Holzperlen an und lernten darüber hinaus, wie aus Sackleinen und Fellüberresten Schnüre für die Schmuckstücke hergestellt werden können.

 

Die Khwe-Männer lernten u.a. wie aus Impalafellen mit Hilfe der „Wild Onion“-Wurzel Leder gegerbt wird, um daraus Kleidungsstücke herzustellen. Außerdem schnitzten sie Bögen, fertigten aus Sansiviria- und Aloepflanzen Schnüre und dünne Seile und stellten Pfeil-, Messer- und Speerspitzen her.

Trotz der unterschiedlichen Kultur der Khwe und Ju/’Hoansi konnten die Khwe durch den interkulturellen Wissenstransfer wichtige traditionelle Techniken erlernen, mit denen sie nun auf ihre Kultur angepasst Dinge fertigen können, um diese den Besuchern ihres Cultural Villages zu zeigen.

Das lebende Museum der Mbunza am Samsitu See an der Grenze zu Angola, welches die Khwe-Gruppe anschließend besuchte, bot ihnen durch einen anderen Ansatz und Aktivitäten weitere Ideen für ihr eigenes Cultural Village. Ein wesentlicher Bestandteil der interaktiven Programme des Lebenden Museums der Mbunza ist die Darstellung und Bewahrung der Fischerei- und Ackerbaukultur. Die Khwe erlernten während der Aktivitäten die hoch spezialisierten Techniken der Mbunza wie Schmiedekunst und Töpferei, aber auch traditionelle Spiele und das alltägliche Leben kennen.

Mit vielen Eindrücken und Ideen kehrte die Khwe-Gruppe nach vier Tagen zurück in den Bwabwata-Nationalpark. Die neu gewonnenen Erkenntnisse helfen ihnen nun, ihr eigenes interaktives Programm mit traditionellen Aktivitäten zu gestalten. Unterstützt werden sie dabei weiterhin von der LCFN.

Das Projekt

Khwe Cultural Village – Auf eigenen Füßen

Diese Partnerschaft basiert auf dem im Jahr 2013 initiierten Projekt „Spurenleser“, welches die Erhaltung und Weitergabe des einzigartigen Wissens der Khwe-Gemeinschaft zum Ziel hat. Im Fokus des Folgeprojektes steht die selbstständige Leitung des Projektes durch die Khwe, sodass langfristig ein stabiles Einkommen generiert werden kann.

Für Presserückfragen

Inga Meese
Geschäftsführerin Futouris e.V.
Heidenkampsweg 58
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